BRAUCHBAR ANTIQUARIAT

Pressenberichte 2010

Brauchbar - Idee wächst weiter

Nur die Filiale "Stoffwechsel" in der Zellerau schließt zum Jahresende

Es ist eine bittere Pille, die Hartfried Groksch, Geschäftsführer des Erfolgsmodells "Brauchbar GmbH", dem Würzburger Sozialkaufhaus schlucken muss. Der Ableger "Stoffwechsel" in der Zellerau muss zum Jahresende schließen. Nicht etwa, weil er erfolglos gewesen wäre, er passt nicht in die Gesetzes-Vorgaben.

Das zu erklären, ist etwas kompliziert. "Stoffwechsel" ist ein Projekt für junge Frauen in prekären Lebensverhältnissen, versucht Groksch seine Darstellung der Situation. Das ist eine Grauzone zwischen Hartz IV und Jugendhilfe, weshalb bislang auch die Würzburger ARGE von Stadt und Arbeitsagentur finanziell mit im Boot war. Das scheint nicht mehr weiter möglich zu sein, weil man bei der ARGE das gesetzliche Ziel hat, Menschen wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Von diesem Ziel sind diese jungen Leute aber "weit weg", räumt Groksch realistisch ein und schildert ein Niveau von Persönlichkeiten, das hier nicht wiedergegeben werden kann. Es sind junge Frauen dabei, bei denen man fast ein Jahr braucht, um sie wirklich zu erreichen. So fern sind sie von der Realität. Erst dann kann die Arbeit losgehen. Natürlich gehe das bei manchen schneller, "die kommen dann sofort in Förderprogramme".

Es geht um 15 bis 20 junge Frauen, die ab Ende des Jahres nicht mehr unterstützt werden können. Noch arbeiten sie bei "Stoffwechsel", einem kleinen Laden mit Warensortiment für junge Frauen und Kinder und "Frauencafe". Solche Frauen zu unterstützen, lässt aber das Gesetz nicht zu, sagt Groksch zwar enttäuscht, aber ohne Vorwurf an die ARGE: "Es geht unzweifelhaft ums Geld". Es geht aber auch um sechs fest angestellte Mitarbeiter.

Zeller Bock wirkt sich aus

Das Projekt läuft seit drei Jahren, ein Zeitraum der gerade genug war, um sich in die Problematik einzufinden. Erschwerend wirkte sich auch aus, dass das Zellerauer Projekt mit der Schließung des Zeller Bocks verkehrsmäßig abgeschnitten ist. "Wir spüren das am Umsatz, ebenso wie Baustellen in der Grombühlstraße im Bereich der Brauchbar-Zentrale.

Die Brauchbar GmbH insgesamt steht mit ihrem Konzept auf festen Beinen, schildert Groksch die aktuelle Lage. Er zählt rund 250 Mitarbeiter, darunter 50 feste zu seiner Belegschaft in mehreren Ablegern in der Stadt. Mit "HATWAS" gab es jüngst sogar eine weitere Expansion in Ochsenfurt. Die Idee und wie sie hier funktioniert, macht den Sozialpädagogen nach eigenen Worten "glücklich", weil hier wirklich gute und schöne Ware für Menschen zur Verfügung gestellt werden kann, die sich das nicht leisten können. Einmal abgesehen vom sozialen Aspekt diene schließlich diese Arbeit auch der Reduzierung des allgemeinen Müllbergs. Das sei eine Arbeit vor dem Recycling, wir sorgen dafür das wertvolle Ware im Kreislauf bleibt".

Das ist der eine Aspekt. Der andere ist die Sorge um die Menschen. Es werden viele Ein-Euro-Jobber zugewiesen, die sind dann auf einen bestimmten Zeitraum befristet beschäftigt. Das besonders Erfreuliche sei danach aber, dass viele dann ehrenamtlich kommen und selbst ohne diesen Euro arbeiten wollen. Für sie ist es wichtig, einen geregelten Tagesablauf zu finden und eine menschliche Gemeinschaft.

Und noch etwas findet Groksch an "Brauchbar" in Würzburg ganz besonders: In dieses Sozialkaufhaus darf jeder. Hier begegnen sich Personengruppen, die sich sonst nicht begegnen würden. Im Untertitel nennt sich die gemeinnützige GmbH auch noch "Neue Arbeit Würzburg - Gesellschaft zur Förderung Arbeitsloser". Sie ist Mitglied im Diakonischen Werk Bayern.

Sozialkaufhaus : "Brauchbar"
gibt Langzeitarbeitslosen eine Chance

"Wir machen das mit Herzblut"

"Ich kann Sie nur bitten, diese erfolgreiche Arbeit weiterzumachen." Könnte sich eine soziale Einrichtung ein schöneres Fazit nach dem Besuch des zuständigen Staatssekretärs wünschen? Als dieser Tage Markus Sackmann das Sozialkaufhaus "Brauchbar" in Grombühl nach eineinhalb Stunden wieder verließ, war er jedenfalls beeindruckt.Der Sozialstaatssekretär aus München lobte das Konzept der Brauchbar gGmbH, das neben dem 1998 eröffneten Kaufhaus mittlerweile neun Filialen in Stadt und Landkreis betreibt.

Es nütze Langzeitarbeitslosen, die dort eine Beschäftigung finden - genauso wie Kunden, Spendern, der Umwelt und "am Ende der ganzen Gesellschaft". Sackmann war auf Einladung des örtlichen CSU-Landtagsabgeordneten Oliver Jörg nach Würzburg gekommen. Das Beschäftigungspotenzial der gemeinnützigen Brauchbar GmbH ist beachtlich: 45 Festangestellte, 125 "Ein-Euro-Kräfte" von der Arge Würzburg sowie 60 aus dem Landkreis, dazu rund 20 Praktikanten und zehn Ehrenamtliche arbeiten für die Einrichtung, deren Träger das Diakonische Werk und die Gesamtkirchengemeinde Würzburg sind.

"Wir machen das mit Herzblut", sagte Geschäftsführer Hartfried Groksch bei dem Rundgang. Und wer ihm zuhörte, hatte keinen Zweifel daran. Ziel der Brauchbar GmbH ist ein dreifaches: Einkommensschwache Haushalte mit Gegenständen des täglichen Gebrauchs zu versorgen. Die Umwelt durch die Weiternutzung von brauchbaren Dingen zu schonen.

Und vor allem: Beschäftigung für Menschen zu schaffen, die im ersten Arbeitsmarkt kaum mehr eine Chance haben.

"Dass wir das hier mit Leuten bewerkstelligen, die ausgegliedert wurden - das ist ein Beweis dafür, dass etwas nicht stimmt in unserer Gesellschaft", sagte Groksch unter Zustimmung der teilnehmenden Gäste, darunter CSU-Bundestagsabgeordneter Paul Lehrieder. Im Sozialkaufhaus gibt es fast alle wichtigen Dinge des Alltags zu erwerben: Von Kleidung über Geschirr bis hin zu Möbeln, von Büchern über CDs und Platten bis zu Spielgeräten. Rund 80 Prozent der Ware wird geliefert - als Spende.

Die Sachen werden dann gesichtet, sortiert, geputzt und ansprechend im Laden präsentiert. Größere Gegenstände holen Brauchbar-Mitarbeiter auch zu Hause ab. Verkauft wird an jedermann.

Dabei sind die angebotenen Antiquitäten nicht gerade für arme Kunden gedacht. "Aber damit erwirtschaften wir Geld, das wir für andere Arbeiten brauchen", erläuterte Groksch. Der Geschäftsführer spricht sich dafür aus, dauerhaft einen so genannten dritten Arbeitsmarkt für nicht mehr vermittelbare Personen zu schaffen.

Sein Befund: "Eine ständig wachsende Bevölkerungsschicht wird dauerhaft aus dem allgemeinen Arbeitsmarkt ausgegliedert und bleibt chancenlos."

Dabei werde Arbeitslosigkeit sehr häufig als persönliches Problem erlebt. Hier will die Brauchbar GmbH gezielt gegensteuern und gerade Langzeitarbeitslosen eine Perspektive bieten.


Dazu betreibt sie im ersten Stock des Hauses an der Grombühlstraße 52 auch ihr BBC (Brauchbar's Beratungscenter), "Würzburgs einzige kostenlose Beratungsstelle für Arbeitslose".

Infos im Internet unter: http://www.brauchbarggmbh.de/
www.brauchbarggmbh.de